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Freitag, den 11. November 2011 um 14:41 Uhr

ZUSCHAUER-KRITIK: CÄTHE - UNTER MEINER HAUT

Schon während des ersten Taktes beginnt mein Gehirn eine musikwissenschaftliche Reise in die Vergangenheit zu machen.

Es sinniert, ob Jule Neigel tatsächlich schon so eine große, singende Tochter hat oder ob Catharina Sieland, aka Cäthe, Ihren Whiskey gerne aus einem von Schmirgelpapier ausgekleidetem Glas zu sich nimmt.

caehte - unter meiner hautDoch schnell verwerfe ich diese Gedanken, denn ich bin gefangen von dieser Stimme, deren gewaltige Energie schon ab der ersten Sekunde spürbar ist und den Text ersteinmal hinten anstehen lässt. Ein Beat, ein Flächensound, eine Frau die singend durch ein Video läuft ? Hatten wir das nicht schon einmal ? Meine Gehirn-Musikdatenbank erinnert sich unweigerlich an das 1991 erschienene Musikvideo "Unfinished Sympathy" von Massive Attack. "Unter meiner Haut" wirkt allerdings authentischer - alleine schon wegen Cäthes Körpersprache die ihre "Seele-aus-dem-Leib-schreiende" Stimme kongenial unterstützt. Der Schwarz-Weiß-Effekt des Videos tut sein übriges dazu.

Mittlerweile bin ich schon beim 3. Durchlauf des Videos und ich könnte immer noch nicht sagen was Cäthe genau meint wenn sie singt "unter meiner Haut (...) ist eine die sich traut", denn während dieser Refrainzeile brennt sich ein neu hinzugekommener Sound in mein Gehirn. Trotz eigener Tonstudioerfahrungen fällt es mir schwer diesen zu analysieren - ist es ein Pygmäen-Kinderchor oder doch Cäthes eigene Stimme durch Filter gejagt ? Auf jeden Fall gibt er dem Refrain einen immensen und eigenwilligen Schub.

Vor dem 5. Durchlauf hole ich mir einen Espresso und ich erwische mich selbst, wie ich auf dem Weg zu meiner Maschine etwas energiegeladener als sonst gehe. Offensichtlich will nun bereits jetzt schon "unter meiner Haut (...) eine heiße Sonne raus". Der Song hat mich.

Dem 7. Durchlauf widme ich voll und ganz dem Textverständnis. Die sicherlich individuell unterschiedlich interpretierbaren Textphrasen werden gegen Schluss des Stückes mit Streichern melancholisch "angedickt", schaffen es aber bei mir, kleine Erinnerungsfilmchen aus meiner Vergangenheit in Gang zu setzen. Jetzt hat der Song auch mein Herz erreicht.

Er ist unter MEINER Haut.

Zuschauer-Redakteur: Oliver Fischer

6 Kommentare

  • Kommentar Link Freitag, den 18. November 2011 um 14:42 Uhr Gepostet von Vesna G.

    Es gibt eben Menschen auf dieser Welt .. die sehen fühlen und hören mehr als andere

  • Kommentar Link Freitag, den 18. November 2011 um 09:46 Uhr Gepostet von Gregor

    ...kann mich gar nicht gar nicht mehr erinnern wann ich ein Lied so oft hintereinader gehört habe...scheiße ist das geil...oh baby, baby, baby....

  • Kommentar Link Freitag, den 18. November 2011 um 08:13 Uhr Gepostet von Andrea Nowosadka-Meier

    Tolle Musik - geht unter die Haut - die Kritik von O. Fischer trifft voll ins Schwarze.

  • Kommentar Link Donnerstag, den 17. November 2011 um 20:07 Uhr Gepostet von Markus Hammer

    Bravo, großartige Kritik - von Iris Meier! Sie umschreibt wunderbar die geile, energetische Stimme von Cäthe.

    Der Autor der Kritik scheint aber vielmehr an sich selbst interessiert zu sein als an Cäthe. Anstatt die Arbeit der leider noch viel zu unbekannten Sängerin in den Mittelpunkt zu rücken stellt er sich selbst dorthin. Schade, denn Cäthe hätte die Aufmerksamkeit verdient!

    Aber das ist das Generation-Facebook-Phänomen. Andy Warhol würde heute garantiert nicht mehr vom 10-Minuten-Ruhm erzählen, sondern von der 1000-Klicks-Aufmerksamkeit. Naja, wer's braucht. Ich auf jeden Fall nicht. Dann lieber Iris Meier!

  • Kommentar Link Mittwoch, den 16. November 2011 um 14:40 Uhr Gepostet von Iris Meier

    Erfrischend anders geschrieben vom Autor, erfrischend anders diese Wahnsinnsstimme.
    Nicht Nina Hagen, nicht Janis Joplin,nicht Ina Deter..... Cäthe, authentisch, kratzbürstig und auch ganz sanft.
    Angepasst ist sicher anders.
    Rutscht man vom Song zu ihrem Debütalbum, was man kaum umgehen kann, wenn man die Kritik von Oliver Fischer liest, stockt beim Hören von Ewige Braut und Bleib hier kurz der Atem.
    Beeindruckend, was Sie mit Ihrer Stimme macht, wenn es weniger revolutionär und fauchig zugeht.
    Dank an den Zuschauer Redakteur für's neugierig machen!

  • Kommentar Link Sonntag, den 13. November 2011 um 22:47 Uhr Gepostet von Tim Fuller

    Erfrischend anders geschrieben - musste mir das Video daraufhin ansehen und ich kann dem Autor nur zustimmen.

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