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Freitag, den 11. November 2011 um 14:08 Uhr

ZUSCHAUER-KRITIK: BRUCE SPRINGSTEEN - THE RISING

„The Rising“ war das Album, das Bruce Springsteen als direkte Reaktion auf die Ereignisse um die 9/11-Anschläge schrieb.

bruce springsteen - the risingEr fasste die Erlebnisse und Gefühle von Menschen in Noten und verpackte diese in gewohnt einfühlsame Worte. Besonders nachhaltig sind dabei zwei Lieder, die sich mit den Empfindungen der Hinterbliebenen beschäftigen. In „Empty Sky“ geht es los mit sanften Keyboard-Klängen, die fast wie aus der Ferne heran zu schweben scheinen. Dann setzen nach und nach Rhythmusgitarre und Schlagzeug ein und überdecken das Keyboard-Geräusch mit einem gleichmäßigen Klang. Der Text wird mit kraftloser, irgendwo gleichgültiger Stimme begonnen und der Erzähler berichtet davon, wie er am Morgen aufwachte und kaum atmen konnte. Das Bett neben ihm war leer. Er vermisste den Kuss, das in die Augen sehen. Für ihn ist der Himmel einfach leer. Und diese Worte vom leeren Himmel werden immer wieder wiederholt, als wolle er sich selbst damit klar machen, dass das, was er gerade fühlt, auch tatsächlich wahr ist.

Noch ernüchternder und vor allem ergreifender wird es bei „You’re Missing“, wo Springsteen versuchte, sich in eine weitere Person zu versetzen, die einen geliebten Menschen bei den Anschlägen verloren hat. Und die Art und Weise, in der er dies vorträgt, kann Gänsehaut erzeugen. Mit sonorer, gleichgültiger Stimme, der jedwede Freude abhanden gekommen ist, erzählt er von alltäglichen Dingen wie dem Kaffee auf dem Küchentresen, den Zeitungen auf der Treppe und Schuhen die im Flur stehen. Und zwischendurch wirft er dann immer wieder ein – aber du fehlst, you’re missing. Die Leere, die diesen Menschen beherrscht, ist überdeutlich zu spüren und wurde wunderschön auf einen sanften Klangteppich gelegt, ohne dabei jedoch kitschig oder melodramatisch zu wirken. Die Melodie fühlt sich real an. Am Ende geht die Stimme dann aber doch einmal kurz hoch, als die Kinder fragen, ob der vermisste Mensch abends wieder in ihren Armen liegen wird. Doch nach einem musikalischen Seufzer, der sich wie mit Tränen gefüllt anhört, geht es in bekannter Niedergeschlagenheit bis zum Ende weiter, wo sich die Musik im Nichts zu verlieren scheint.

Doch nicht alle Lieder des Albums sind von bedrückender Stimmung. Lieder wie „Counting on a miracle“, „Waiting on a sunny day“ oder „Lonesome day“ sind wesentlich freundlicher angelegt und mit „The Rising“ schafft es Springsteen sogar, den beim Einsatz in den Zwillingstürmen ums Leben gekommenen Feuerwehrmännern eine Hymne zu verschaffen, die inhaltlich sehr ergreifend ist, von der Aufmachung aber voller mitreißender Hoffnung steckt.

Ja, „The Rising“ ist ein von den 9/11-Ereignissen geprägtes Album. Aber nein, es steckt nicht voller triefendem Pathos oder erstickt in Melodramatik. Es ist ein Rockalbum mit einigen Ohrwürmern, das man sich immer wieder gerne in den Player legt.

Zuschauer-Redakteur: Michael Tomiak

1 Kommentar

  • Kommentar Link Donnerstag, den 17. November 2011 um 20:17 Uhr Gepostet von Markus Hammer

    Mit Born in the USA hat sich Springsteen für meinen Geschmack zu sehr an den Durschnittsrockpop verkauft, weswegen ich seinen weiteren Weg nicht mehr verfolgt habe. Wenn ich mir die Kritik durchlesen bekomme ich aber doch wieder Lust auf seine Musik. Vor allem weil es mich interessiert ob Empty Skies und You're missing wirklich so mitreißend sind. Ein Lob an den Autor - gelungene Kritik! Interesse geweckt. Mission accomplished.

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