Was Hugo Egon Balder unlängst vergeblich versuchte, gelingt der knorrigen Berliner Eiche Rolf Zacher (70) mit Hilfe seines Texters Martin Bechler auf Anhieb: dem Altern mit brüchigem Sarkasmus, Wut, Schnauze und Fatalismus so etwas wie kaputte Würde abzuringen.
Die Produzenten bringen uns Zachers Krächzen und Raunen manchmal so nah, als legten wir das Ohr an die flüsternden Lippen eines Intensivpatienten. Doch er brüllt auch, er zetert, ihm ist alles "Scheissegal" (Songtitel), und wie verächtlich Zacher das Wort "Gedudel" singt, ist ein Lehrstück in Sachen Semantik durch Betonung. Der Mann ist eben Mime - eine Doppelbegabung, die auch dem Springsteen-Cover "I'm on Fire" sehr zugute kommt. Zacher führt es mit postkoitaler Erschlaffung vor, er brummelt den Text todmüde, ironisiert damit Springsteen - und sich gleich mit. Die klavierkarge, mit hellen Licks der E-Gitarre konturierte Instrumentierung passt dazu perfekt, und hätte man sich durchweg auf diese Klangästhetik konzentriert, das Album hätte das Zeug zum Meisterwerk gehabt. Manchmal aber schwappt es zu sehr. "Guten Morgen, ich hab Gesichtslähmung/ich hab keinen toten Punkt/ich hab einen toten Tag", muffelt Zacher, der alte Junkie, der Gesichtsfaltenverwalter, der Überlebenskünstler - der deutsche Lou Reed. Jawohl.



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