Sie haben sich selbst wieder heraus gegraben und sind mit frischem Wind auf dem Weg zurück. Zurück nach ganz oben.
Wer hätte noch daran geglaubt?
Der alte Drache R.E.M. spuckt noch immer Feuer
und hat daraus ein selten so kreatives, musikalisches Feuerwerk geschaffen. „Collapse Into Now“ soll die Rettung aus dem Sumpf der Langeweile sein - dafür verantwortlich ist die Produktion des Albums in den heiligen Hallen der Hansa Studios in Berlin. Das Ergebnis sind zwölf nicht allzu lange Songs in ca. 40 Minuten, was uns an die Dynamik einst gefeierter LP-Formate erinnert. Keine unnötigen Lückenfüller oder Restplatzsongs, wie man es von einigen Alben aus heutiger Zeit kennt. „Discoverer“ lautet der erste Titel von „Collapse Into Now“ und macht seinem Namen alle Ehre. Unmissverständlich entdeckt der Hörer das in Vergessenheit geratene Potenzial der Collegerocklegende aus den Staaten und fühlt sich in diese Zeit zurückversetzt. Sie erinnern sich an „Crush With Eyeliner“? Dann werden Sie „All The Best“ der neuen Scheibe lieben. R.E.M. beweisen hier nicht zum ersten Mal, dass der diskreditierte Begriff des Stadionrock nicht zwangsläufig ein Schimpfwort sein muss.
Die Stimmung der Tracks
Der gedimmte, oft leicht ermüdet wirkende Tonfall des Sängers zieht sich als eindrucksvolles Stilmittel durch weite Teile des Albums. Nicht nur bei „ÜBerln“ öffnet der melancholische Beigeschmack ein neues Klangerlebnis beim Anhören der Tracks. Auch „Oh My Heart“ oder „It Happened Today“ zählen unverkennbar zu dieser Abteilung. „Blue“ ist neben „Drive“ und „Orange Crush“ hingegen der intensivste Song, den das Rapid Eye Movement je zu Papier gebracht hat. Großartiger Southern American Gothic in vollendeter Schwermut.
Insgesamt knüpfen, wenn auch mit gefühltem Verzug, R.E.M. an den Erfolg der bislang produzierten drei Alben an und halten damit alle Versprechen, die man sich selbst vor Kauf des Tonträgers macht.


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