Entgegen landläufiger Meinung hat Bob Dylan diverse definitive Versionen seiner Songs aufgenommen.
Wie etwa sollte man "Like a rolling Stone" je toppen? Andere waren kaum mehr als Skizzen und erblühten erst in der Fremde (etwa "Mighty Quinn"). Gecovert aber wurde Dylan immer - unter der Ägide der Hilfsorganisation Amnesty International, die ebenso lange aktiv ist wie Dylan auf der Bühne, nämlich 50 Jahre, entstand nun ein weiterer Sampler, ein Monster. 75 Songs auf vier CDs, über 80 beteiligte Künstler aus allen Generationen, von Pete Seeger bis Ke$ha: Mehr geht kaum. Wenn sie sich trauen, das Original gegen den Strich zu bürsten, kommt oft Gutes dabei raus. K'naan und Ximena Sariñana etwa rhythmisieren "With God on our Side" und "I want you" bis zur Kenntlichkeit um, Carly Simon verwandelt "Just like a Woman" in ein puristisches Pianostück und arbeitet mit gezielt dissonanten Anschlägen seinen bitteren Beigeschmack heraus. "Tomorrow is a long Time" hingegen, das stets vom Kontrast aus beschwingtem Folkpicking und melancholischer Melodie lebte, verliert unter Zee Avis statischer Version einen wichtigen Stützpfeiler. Die Coverer konzentrieren sich auf den klassischen Kanon, auch eher abgelegene Songs (wie "Property of Jesus", das sich - natürlich - die Priesterin Sinéad O'Connor vorknöpft) kommen vor. Doch um ein Cover goutieren zu können, muss man das Original im Ohr haben, die Abweichungen also hören und bewerten können - und das funktioniert nun mal bei "I shall be released" (Maroon 5!) besser als bei "I'd have you anytime", einem gemeinsam mit George Harrison geschriebenen Stück von 1970. Ein großes Projekt, an dem man lange zu knabbern hat. Nicht nur Dylan-Fans.



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