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Freitag, den 15. Juli 2011 um 13:32 Uhr

THE BOSSHOSS - SAUERKRAUT-COWBOYS AUS BERLIN

Außer zwei Auftritten bei Rock im Park und Rock am Ring im Juni war es dieses Jahr erstaunlich ruhig um The BossHoss.

audiophil.deDoch mit der Ankündigung von sieben Deutschlandterminen im Frühjahr 2012 kommt wiederbosshoss Leben in die „Country-Nation“ Deutschland. tThe BossHoss, das sind sieben Jungs aus Berlin (Germany, nicht Texas), die mit skurrilen Coverversionen im Country-Stil seit 2004 die Musikszene aufmischen. Was aus einer Partylaune heraus geboren wurde, hat sich zu einem Selbstläufer entwickelt. Wir sprachen mit Alec „Boss Burns“ Völkel und Sascha „Hoss Power“ Vollmer über Karriere, Klaus Wowereit, politisches Engagement, Countrymusik – und natürlich über Berlin*.

Ann Kathrin Bronner: Wart ihr eigentlich schon einmal in den USA, der Wiege des Country, auf Tour?

Sascha „Hoss Power“ Vollmer: Nee, in den USA noch nicht. Wir waren 2007 in Kanada, eine kleine Tour, zwei Wochen, und haben zehn Gigs gemacht. Kanada ist halt ein Riesen-Land, und das war so ein bisschen der Tropfen auf den heißen Stein. Aber es hat super funktioniert, und wir waren sogar in zwei Fernsehshows. Wir haben in Vancouver angefangen und zehn Shows bis Toronto gespielt. Aber da müsste man eben einfach am Ball bleiben und ein Jahr hingehen. Also, ein, zwei Gigs, das bringt es nicht...

AKB: Wie war das: seid ihr für die Kanadier die Freaks gewesen? Oder haben sie euch und eure Musik ernst genommen?

Alec „Boss Burns“ Völkel: Nun, das Schöne an Kanada war eben gerade, dass sie es total durchgeknallt fanden, dass deutsche Cowboys aus Berlin kommen und einen auf Country machen, mit allem Drum und Dran.

AKB: Wie wenn ein Amerikaner zu uns käme und zu jodeln anfinge?

Hoss: Genau. Da kommen die „Sauerkraut-Cowboys“ und schreien Yee-haw!

AKB: Ist der Cowboy also bloß eine Rolle, die ihr spielt, oder seid ihr authentisch? Tragt ihr im Privatleben vielleicht Anzug und Krawatte und hört klassische Musik?

Hoss: Also, das eine schließt das andere ja nicht aus! Wir hören jetzt natürlich zuhause nicht nur Yee-haw-Mucke und laufen mit dem Cowboy-Hut durch den Supermarkt. Wir sind völlig normal drauf. Aber ich glaube schon, es ist einer der Schlüssel zu unserem Erfolg, dass wir sehr authentisch sind. Wenn du in eine Rolle nur hineinschlüpfst, dann zündet das nicht so. Das merken die Leute!

AKB: Sind denn andere Country-Musiker schon auf euch aufmerksam geworden? Ich meine, gab es vielleicht sogar Anfragen, dass ihr gemeinsam ein Festival spielt?

Hoss: Nein, bisher nicht. Die Country-Szene in den USA ist ja auch sehr unterschiedlich. Wir sind zum Teil sogar froh, dass wir nicht in eine Schublade gesteckt werden mit vielen Country-Stars dort. Dieser ganze glatte Nashville-Country-Pop hat mit uns überhaupt nichts zu tun. Wir sind ja auch eher ein bisschen progressiver und ein bisschen dreckiger als das Fransenjacken-Klischee.

AKB: Wie auch auf dem aktuellen Album, das im Vergleich zu den Vorgängeralben ja noch rockiger geworden ist?

Hoss: Unsere Einflüsse kommen ja schon immer eher aus dem Rockbereich. Wir machen zwar schon viele, viele Jahre Musik, an die zwanzig sind es bei mir. Aber ich hatte ja davor nie Country-Musik gemacht. Und über die Jahre kamen dann eigene Songs mit dazu, von Album zu Album wurden es immer mehr: Auf dem ersten waren es drei eigene, auf dem zweiten die Hälfte, auf dem dritten waren dann nur noch drei oder vier Cover. Und so kamen immer mehr eigene Einflüsse mit rein. Wir haben uns eben auch weiterentwickelt. Und „Do Or Die“ ist jetzt eben insgesamt ein bisschen rockiger. Auf der anderen Seite gibt es aber auch ein paar Balladen, was auch wiederum nicht so typisch für uns ist. Aber an den Stellen, wo es wirklich zünden soll, da rockt es eben auch mehr als vorher.

AKB: Eignet sich eigentlich jeder Song für eine Country-Version?

Boss: Ja. Ich glaube schon. Zumindest tendenziell. Man muss halt immer schauen, wie man selbst damit klarkommt und das dann eben ausprobieren. Also: wir nehmen uns einen Titel vor und probieren ihn in der Country-Version, und der eine wird eben besser, der andere schlechter. Und dann entscheidet man ganz einfach, was man nimmt.

AKB: Aber ihr greift eher zu Uptempo-Nummern?

Boss: Nö, nicht von vorneherein... Naja, meistens schon. Wir haben eher Bock, nach vorne zu gehen. Aber wir haben auch hier und da mal eine ruhige Nummer dabei. Die sind natürlich schwieriger. Eine Nummer anzuschieben ist wesentlich leichter, als eine langsame Nummer so zu machen, dass sie Groove hat und wirklich cool rüberkommt.

AKB: Die Bundestagswahlen liegen ja gerade hinter uns. Könntet ihr euch vorstellen, für einen Politiker in den Wahlkampf zu ziehen? Ich stelle mir gerade Klaus Wowereit im schönen Feinripp-Unterhemd vor...

Hoss: ...wie er bei uns mitmacht?

AKB: Na ja, wie er zumindest im Publikum mitgroovt. Könntet ihr euch vorstellen, euch von einer Partei vor den Karren spannen zu lassen?

Hoss: Wir machen gerade ein Projekt, das von der SPD initiiert ist: „Nazis aus dem Takt bringen“. Es macht für uns auf jeden Fall Sinn, da mitzumachen. Wir würden jetzt allerdings keinen direkten Wahlkampf für eine Partei machen – was nichts damit zu tun hat, dass wir privat nicht politisch interessiert sind, aber wir geben nicht unseren Namen als Rockband her und schwingen irgendeine Fahne.

AKB: Also wollt ihr eure Unabhängigkeit wahren?

Hoss: Ja.

AKB: Das passt aber weniger mit euren Werbeengagements zusammen. Natürlich braucht man als Künstler eine gewisse Förderung, ob es jetzt Auftrittsmöglichkeiten sind, die man von der Stadt ermöglicht bekommt, oder ob eine Firma Instrumente oder Equipment zur Verfügung stellt...

Hoss: Das kommt immer erst später. Erst wenn man einen gewissen Status erreicht hat, kommen Sponsoren oder Firmen, die einem Instrumente stellen. Als normaler Hobby-Mugger [Mugge: kurz für musikalisches Gelegenheitsgeschäft, Anm. d. Red.] hat man die Unterstützung nicht. Da bekommt man dann vielleicht mal mit 16, wenn man Glück hat, einen Probenraum im Jugendhaus oder in einem Jugendzentrum „für umme“. Zum Glück gibt es in einer Stadt wie Berlin unglaublich viele Clubs mit Möglichkeiten für Bands aufzutreten. Und dann muss man eben die Ochsentour machen und sich das Publikum erspielen. Das haben wir auch gemacht. Unser erster Auftritt außerhalb von Berlin war Anfang 2005 in Heidelberg im Schwimmbad Club. 15 Leute waren da.

AKB: Na prima. Ist das nicht frustrierend?

Hoss: Ja, schon, aber zumindest jetzt, im Nachhinein betrachtet, war das einer unserer besten Gigs. Wir haben die 15 Leute in Grund und Boden gerockt. Das war super! Und so fängt man eben an zu spielen und zu spielen. Wir haben im ersten Jahr 180 Mal gespielt. Natürlich hatten wir dann auch schnell eine Plattenfirma, was ja auch nicht jede Band hat, und gleich einen Major-Deal. Das hilft natürlich schon. Und dann kam ja relativ bald der Langnese-Song „Like Ice in the Sunshine“ im Country-Gewand...

Boss: Wichtig war es am Anfang, erst einmal in Deutschland Fuß zu fassen und sich hier wirklich eine Fanbasis aufzubauen. Viel zu spielen.

AKB: Zunächst hattet ihr also parallel noch eure ganz „normalen“ Berufe?

Hoss: Na klar. Wir konnten natürlich, wie viele andere auch, nicht von der Musik leben. Es war ein Hobby. Ich bin Grafiker, Alec auch. „Boss“ und „Hoss“ haben sich quasi in einer Werbeagentur kennen gelernt. Wir waren beide Sänger mit eigener Band, kamen ins Gespräch, und dann haben wir angefangen, zusammen Musik zu machen. Erst einmal nur zu zweit. Bei mir auf dem Dachboden hatte ich so ein kleines Homerecording-Studio eingerichtet, da haben wir ab und zu mal was aufgenommen. Und irgendwann haben wir die Idee gehabt: Lass uns mal Country-Musik so machen, wie wir sie hören wollen. Zum Spaß.

Boss: Ich glaube, es ist eine ziemlich blöde und zugleich ziemlich lustige Idee gewesen, mal ein Country-Cover aufzunehmen!

AKB: Und dann habt ihr euch die anderen Jungs dazugesucht?

Hoss: Erst später. Wir haben ein halbes Jahr erst einmal nur zu zweit aufgenommen, Gesang mit Gitarre, und haben selber getrommelt und dazu programmiert. Die CDs haben wir an Kumpel verteilt. Alle fanden es skurril und komisch, aber irgendwie auch klasse. Bei einer Party haben wir gesagt: „Lasst uns mal BossHoss auf die Bühne bringen und live umsetzen.“ Und da unser Freundeskreis aus vielen Musikern besteht, haben wir halt gefragt: „Wer möchte mitmachen?“ So kam die Band zustande. Auf der Party haben wir dann unsere vier Nummern gespielt und drei Mal wiederholen müssen. Es kam super an, und so kam das dann ins Rollen. Es hat natürlich damals keiner daran gedacht, dass es solche Formen annimmt. Es war wirklich nur ein Spaßprojekt!

AKB: Hattet ihr davor Feldforschung betrieben, euch unzählige Country-Nummern angehört, um zu schauen, was den Stil prägt, oder war das einfach eure Vorstellung von Country?

Boss: Ich glaube, das Gute war, dass wir uns von Anfang an überhaupt nicht mit Country beschäftigt hatten, sondern dass wir uns einfach gesagt haben: „Wie müsste Country klingen, damit wir ihn cool finden?“ Und dann haben wir es einfach so gemacht. Ich glaube, wenn wir uns damit beschäftigt hätten, wie er klingen muss, würden wir klingen wie Texas Lightning. Das wäre eher langweilig.

AKB: Meint ihr, dass The BossHoss nur in Berlin entstehen konnte oder dass so ein Projekt nur in Berlin möglich war?

Hoss: Nö, glaube ich nicht. Die Größe der Stadt hilft natürlich, weil man mehr Leute erreicht. Wenn man jetzt in einem kleinen Nest mit fünftausend Einwohnern mit so einem Projekt anfängt, hat man es schwerer. Aber Hamburg, Köln oder München würde genauso funktionieren. Obwohl: Berlin war natürlich schon der richtige Fleck. Und wir sind ja auch eher die Großstadtcowboys. Bei uns hat Country nicht viel mit der Weite der Prärie zu tun. Eher das Motorrad unter dem Hintern – und nicht das Pferd.

AKB: Berlin ist...

Hoss: ...die coolste Stadt der Welt, das muss man wirklich so sagen! Wir kommen ja viel rum, nicht nur in Deutschland. Und egal, wo wir sind: Wir freuen uns immer, in dieser Stadt leben zu können, denn es ist auch die freiste Stadt der Welt. Wir fühlen uns sauwohl hier, und es gibt keinen Grund, jemals wegzugehen!

(Ann Kathrin Bronner)

TERMINE

Oberhausen – Turbinenhalle
Fr, 09.03.2012


Leipzig – Haus Auensee
Sa, 10.03.2012

Zürich (CH) – Volkshaus
Do, 15.03.2012

München – Zenith, die Kulturhalle
Fr, 16.03.2012

Wien – Gasometer
Sa, 17.03.2012

Hamburg – Alsterdorfer Sporthalle
Fr, 23.03.2012

Berlin – Max-Schmeling-Halle
Sa, 24.03.2012

Stuttgart – Hanns-Martin-Schleyer-Halle
Fr, 30.03.2012

Offenbach am Main – Stadthalle Offenbach
Sa, 31.03.2012

Videos von Hoss Boss

Zusätzliche Informationen

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