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Freitag, den 15. April 2011 um 11:46 Uhr

JOSH GROBAN - ILLUMINATIONS

In den USA zählt er zu den absoluten Superstars, ein Status, den 25 Millionen verkaufte Alben eindrucksvoll untermauern. Übrigens: Das war der Stand VOR seinem neuen Album Illuminations…

audiophil.deMit seinem neuesten Werk, produziert von Rick Rubin, einem der Schwergewichte der Musikszene, macht sich der smarte Sänger auf, nun auch die letzte Bastion Deutschland zu erobern. Seine klassisch ausgebildete Stimme passt perfekt zu seinen Kompositionen, angesiedelt zwischen Popsong und Arie. Kein Wunder, dass ihm von Barbra Streisand bis Celine Dion, von Charles Aznavour bis Lara Fabian Kollegen wie Publikum gleichermaßen zu Füßen liegen.

Ann Kathrin Bronner: Josh, könnten Sie sich vorstellen, mehr klassische Musik zu singen?

josh grobanJosh Groban: Oh ja! Es gibt ja so wunderbare Bariton-Arien. Ich denke wirklich ernsthaft darüber nach, ob ich nicht mehr Klassikkonzerte singen sollte. Ich habe bisher viel Pop gemacht, aber meine Stimme ist doch ein sehr klassischer Bariton, so dass ich das Gefühl habe, dass das ihrer Natur entspräche. Für Operngesang ist sie jedoch, glaube ich zumindest, noch nicht ganz geeignet, da sie sehr natürlich ist. Ich denke, sie liegt irgendwo dazwischen, mit Potenzial in beide Richtungen.

AKB: Können Sie verstehen, warum viele Menschen beim Thema Operngesang Berührungsängste haben?

JG: Ich glaube, viele Menschen wissen nur nicht, dass ihnen Oper gefallen würde. Mit Popmusik werden wir den lieben langen Tag beschallt. Bei Oper ist es irgendwie schwieriger, das herauszufinden. Ich denke nicht, dass es ihnen nicht gefallen würde, denn Oper ist so universell und schön. Ich glaube nur, dass sie es normalerweise nicht hören.

AKB: Aber viele sagen: Die singen da immer so komisch. So unnatürlich!

JG: Ich denke, dass diese Behauptung ein Klischee ist. Denn eigentlich ist doch Popgesang viel unnatürlicher. Die Stimme ist getuned, nachträglich am Computer bearbeitet und wird verstärkt. Leider denken viele in meiner Generation, dass DAS die natürliche Stimme sei. Und wenn sie dann die großen Tenöre mit ihrem voluminösen Gesang hören, meinen sie, das sei zu kräftig. Aber dazu ist eine Stimme in Wahrheit fähig – wir sind nur nicht daran gewöhnt. Vielleicht denken sie auch, dass Oper zu versnobt ist. Deshalb versuche ich trotz klassischer Ausbildung in meiner Musik meine Inspiration durch die Klassik zwar zu unterstreichen, aber sie mit Melodien von heute, mit Popmusik, zu verbinden. Und auch mit aktuellen Texten und Botschaften.

AKB: Wurde Ihr Musikgeschmack auch dadurch geprägt, dass Sie norwegische und russische Wurzeln haben? Hat die Musik dieser beiden Kulturen Sie beeinflusst?

JG: Ich denke unterbewusst. Ich liebe die bombastischen Themen in der russischen Musik, und ein Teil meiner Liebe zum Drama kommt bestimmt vom russischen Blut in meinen Adern. Und auf norwegischer Seite? Die Norweger haben einfach einen großartigen Popsound.

AKB: Die beiden Nationen sind sich musikalisch ja auch sehr nah: viel Melancholie, Drama, Moll.

JG: Viele Wolken, in der Tat! Sie sind sehr düster, aber ich liebe düstere Musik. Und es gibt überall Licht UND Schatten: in der Malerei, im Film, in der Musik. Und im Leben! Für mich ist es wichtig, diese beiden Seiten in meiner Musik zu zeigen. So sind auch die Liebeslieder auf Illuminations düsterer als in der Vergangenheit, weil ich in den letzten Jahren einfach in der Liebe nicht glücklich war. Die kitschigen Liebeslieder machen Sinn, wenn wir verliebt sind. Wenn wir das nicht sind, stellen wir uns Fragen, dann gibt es graue Tage, und ich wollte über das Dazwischen schreiben, über die ungewisse Zeit, wenn wir nicht verliebt sind. Ich liebe das Licht in der Musik, aber umarme auch gerne die dunkle Seite. Das macht uns menschlich. Das verbinden auch die Menschen mit Musik. Im Übrigen gibt es viele klassische Kompositionen, die düsterer sind als jede Heavy Metal Musik.

AKB: Aber musste es gleich Rick Rubin sein? Ich dachte nur: Nun also Heavy Metal oder Country.

JG: Natürlich waren die Menschen überrascht. Zunächst waren sie überrascht, dass wir zusammen arbeiten. Und dann waren sie überrascht, wie großartig die Musik klingt.

AKB: Und dass es überhaupt funktioniert hat!

JG: Das hat es. Es ging uns nach dem Kennenlernen nur noch darum, gute Musik zu machen. Ich glaube, dass Rick das größte Verdienst daran hat, dass wir beide uns wieder wohlgefühlt haben. Ich hatte gerade ein Album veröffentlicht, das Nummer 1 des Jahres in Amerika war, und hatte den Eindruck, dass Dinge von mir erwartet wurden und ich etwas gefangen war. Vielleicht ist das die künstlerische Grenzerfahrung, aber ich musste etwas Neues ausprobieren.

AKB: Unerwartete Wege betreten?

JG: Ja. Und Rick hatte zwanzig Rock-Alben hintereinander produziert. Vor einem Orchester zu stehen, war für ihn Neuland. Wir hatten dem anderen etwas zu geben. Natürlich liegt bei einem solchen Experiment die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns bei 50 Prozent. Und wir hätten kläglich scheitern können. Aber Rick und ich wussten, wie unser Klang zu sein hatte. Wir wollten ja nicht, dass die Menschen fragen: Was ist das denn?!? Er war daran interessiert, ein Josh-Album zu machen, und ich war daran interessiert, die Aufnahmen auf seine Art und Weise durchzuführen. Wir haben ein Jahr zusammen verbracht, ohne einen einzigen Ton zu spielen. Wir haben ein Jahr geredet, komponiert, arrangiert. Als dann der Tag der Aufnahme kam, war ich mit dem Orchester in einem Raum, und es hieß: Los! Jeder Song war mit einem oder zwei Takes im Kasten. Das war aufregend, fast wie bei einem Live-Album, bei einem Auftritt vor zweitausend Menschen

AKB: So wie es bei Aufnahmen früher üblich war?

JG: Genau. Mit nur einer Chance, es richtig zu machen. Wir waren bei Capitol Records, in den heiligen Mauern, in denen Nat King Cole aufgetreten ist. Die Mikrofone waren von Henri Mancini und Frank Sinatra, und wie sie wollten wir die Aufnahme machen. Jeder meinte, dass wir verrückt seien. Aber ich finde, dass es heute verrückt ist. Das damals war der Weg, großartige Platten zu machen. Und so gibt es auf dem Album diese wunderbaren kleinen Stellen, diese kleinen Imperfektionen; eine Wärme, die Sie am Computer mit Overlays nicht hinbekommen. Und auch dieses Gefühl, diese Live-Energie: Wenn der Taktstock nach unten geht und die Geigen zu tief sind, können wir noch einmal von vorn anfangen. Oder wenn meine Stimme versagt. Und so war von Anfang an dieses Gefühl da, dass wir nicht auf Autopilot stellen können. Es hat wirklich viel Spaß gemacht, das Album auf diese Art aufzunehmen!

AKB: Sind Sie in diesen zwölf Monaten gewachsen?

JG: Oh Gott, ja! Ich fühle mich wie ein ganz neuer Künstler. Ich hatte zwar davor schon komponiert, aber nicht vergleichbar zu Illuminations. Wie Rick gesagt hat: „Du musst jetzt wie ein Songwriter denken. Wie jemand, der nicht nur dieses Mal an einem Album schreibt. Sondern wie jemand, der jeden Tag schreibt. Immer.” Und das ist eine andere Art des Denkens.

AKB: Ist er auch gewachsen?

JG: Wahrscheinlich müsste er die Frage beantworten. Aber ohne egoistisch zu klingen, seine Antwort wäre wahrscheinlich: Ja. Weil es etwas Neues für ihn war und er prinzipiell nichts macht, was nicht neu und aufregend für ihn ist. So klingen auch seine Alben! Man hört es einem Album an, wenn ein Produzent gelangweilt ist. Er ist niemals gelangweilt.

AKB: Langeweile kommt in Ihrem Leben auch nicht auf: Neben Ihrer Karriere widmen Sie sich karitativen Aktivitäten wie der Hear the World Initiative. Seit wann sind Sie Botschafter?

JG: Vor ungefähr drei Jahren hat Bryan Adams das Foto von mir aufgenommen. Ich denke, es ist eine wunderbare Organisation, die ich mit vollem Herzen unterstütze. Und ich habe eine eigene Stiftung. Wir fokussieren uns darauf, den Kindern eine künstlerische Erziehung zu ermöglichen, die diese Chance nicht hätten, um diese Erfahrungen zu machen. Ich schätze mich glücklich, dass ich in Los Angeles leben darf und eine nette Familie habe, die mich zur Kunst gebracht hat. Das war mein Weckruf, als ich in der Schule nicht so gut war. Ich tat mir schwer, Freunde zu finden, und hatte ein sehr geringes Selbstwertgefühl. Und plötzlich tat sich mit der Kunst eine Welt für mich auf, die ich verstand und in der ich mich verstanden fühlte. Da war diese Sprache, von der ich wusste, dass ich sie sprechen kann. Und das hatte einen so tiefen Einfluss auf mich, dass ich denke, der Kunst alles zu verdanken, was ich habe. Und das möchte ich anderen Kindern weitergeben; so vielen Kindern, dass ich weiß, dass es eine Wirkung erzielt. Und selbst wenn sie nicht beruflich als Künstler arbeiten, sehe ich doch, wie die Kunst ein Leben verändern kann. Und wie sie den Horizont der jungen Menschen in dem Moment erweitert, in dem sie es am meisten brauchen.

AKB: Wahrscheinlich brauchen Jugendliche ein Ziel – und die Bestätigung, dass sie etwas gut gemacht haben. Das ist das vielleicht Wertvollste, was man ihnen geben kann.

JG: Absolut! Und auch wenn ihre Zukunftspläne in der Politik oder der Wissenschaft liegen: Kunst ist so universal, dass sie ihnen ermöglicht, sich auszudrücken. Sie bringt ihnen von früh an Selbstvertrauen. Und sie hilft, den eigenen Zynismus zu besiegen. In der Kunst kann man nicht zynisch sein. Ich denke, dass wir in einer Zeit leben, in der Kindern in den Massenmedien und in der Popkultur beigebracht wird, Dinge sehr zynisch und sehr sarkastisch zu betrachten. Die kulturelle Norm ist es derzeit, seine Persönlichkeit zurückzuhalten. Die Kunst hingegen verlangt, dass man sich öffnet und das Innere nach außen zeigt. Daher denke ich, dass es für Kinder wunderbar ist, diese Lektion zu lernen. Mir hat sie für mein Leben geholfen. Ganz bestimmt!


BIOGRAPHIE
1981 Joshua Winslow Groban erblickt am 27. Februar in Los Angeles das Licht der Welt; nach Anfängen im Schulchor wird er im Interlochen Arts Programm aufgenommen. Er studiert an der Los Angeles County Art School und anschließend an der Carnegie Mellon University in Pittsburg.
1998 Josh Groban schickt ein Demo-Tape an den Produzenten David Foster, der ihn für die Inaugurationsfeier des Gouverneurs von Kalifornien engagiert.
1999 Als Andrea Bocelli bei den Proben zur Grammy-Verleihung 1999 ausfällt, ersetzt Josh ihn und singt ein Duett mit Celine Dion.
2000 Er singt mit Sarah Brightman auf ihrer La Luna World Tour.
2001 Im Ally McBeal Staffelfinale hat Josh einen Gastauftritt und wird für die nächste Staffel wieder engagiert; für den Soundtrack zum Blockbuster A.I. Artificial Intelligence singt er mit Lara Fabian ein Duett ein; sein Debüt-Album Josh Groban wird veröffentlicht und erreicht innerhalb eines Jahres Gold und Doppel-Platin.
2002 Der Sänger wird für die Abschlussfeier der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City engagiert; außerdem tritt er in Oslo auf dem Nobel Peace Prize Concert zusammen mit Sissel Kyrkjebø auf.
2003 Sein zweites Album Closer erscheint; an Weihnachten tritt er mit The Corrs, Ronan Keating, Sting und Lionel Richie bei einer Weihnachtsveranstaltung im Vatikan auf.
2004 Nach einer Reise mit Nelson Mandela nach Südafrika, die ihn nachhaltig beeindruckte, gründet er die Josh Groban Foundation; er singt auf den Soundtracks zu Troy und Polar Express; außerdem tritt er im Vorprogramm des Super Bowl auf.
2006 Das 3. Studioalbum Awake erscheint.
2007 Mit Barbra Streisand und Mireille Mathieu folgen zwei weitere illustre Duettpartnerinnen; das Weihnachtsalbum Noel mit dem London Symphony Orchestra und dem Magdalen College Choir ist eines der erfolgreichsten Weihnachtsalben aller Zeiten.
2008 Mit Andrea Bocelli singt er bei den Grammy Awards ein Tribute an Luciano Pavarotti; er singt mit Charles Aznavour ein englisch-französisches Duett; mit Sarah Brightman singt er beim Concert For Diana im Wembley Stadium; im Musical Chess singt er die Rolle des Anatoli Sergievski in der Royal Albert Hall; er tritt beim Konzert zum 90. Geburtstag von Nelson Mandela im Hyde Park auf.
2009 Bei der Amtseinführung von Barack Obama folgt der nächste prestigeträchtige Auftritt für Josh; am 19. Juni wird er in die Hollywood Bowl Hall of Fame aufgenommen.
2010 Am 19. November erscheint sein mittlerweile 5. Studioalbum Illuminations, das erstmals von Rick Rubin produziert ist.

DISKOGRAPHIE (Auswahl)

Illuminations
2010 Warner Music
EAN 0886977189920

A Collection
2008 Warner Music
EAN 0093624981770

Noël
2007 Warner Music
EAN 0093624989929

Closer
2003 Warner Music
EAN 093624845027

DVD
Josh Groban in Concert
2003 Warner Music
EAN 0075993858129


INFORMATIONEN
www.joshgroban.com

 

Quelle: audiophil.de

Zusätzliche Informationen

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