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Freitag, den 15. April 2011 um 11:23 Uhr

DUFFY - ENDLESSLY

Mit ihrem Album Rockferry wurde Aimee Ann Duffy 2008 zur Soul-Ikone – das neue Album Endlessly soll ein ebenbürtiger Nachfolger auf dem Weg der Sängerin aus Wales in den Soul-Olymp sein.

audiophil.deDas zweite Album ist immer das schwerste. Wenn ein junger Künstler für sein Debüt in den Himmel gelobt, mit Preisen und Auszeichnungen überschüttet wird, fällt es nicht leicht, die Bodenhaftung zu behalten. Anders erging es auch Duffy nicht. „Ungesund“ nennt die junge Sängerin selbst den Hype, den die zehn Songs ihres Erstlings ausgelöst haben. 60.000 Menschen für zehn Songs. Kein schlechter Schnitt. Drei Brit Awards bei vier Nominierungen sind ebenfalls ein Statement. Sie feiert ihren Erfolg, beschäftigt sich nicht mit einem neuen Album. Bis Albert Hammond anruft und sie auf eine Tasse Tee treffen möchte. Jener Produzent, der mit It Never Rains In Southern California Weltruhm erlangte. Das Timing ist perfekt: Er holt sie aus ihrer Rockferry-Welt, und nur zwei Jahre ziehen ins Land, bis der Nachfolger erscheint.

duffyAlbert und Duffy. Eine interessante Paarung. Aber es funktioniert. „Er ist mein bester Freund! Einer der brillantesten Menschen, die mir je begegnet sind. Und ehrlich gesagt würde ich nicht hier sitzen, wenn ich ihn nicht getroffen hätte.“ Denn nach den vier Jahren Arbeit am ersten Album wieder vier Jahre ins Land gehen lassen? Das will die Sängerin nicht. Das Aufeinandertreffen mit Hammond gibt ihr den nötigen Kick, und innerhalb von drei Wochen sind alle Songs für Endlessly geschrieben. Ob er ihre Musik, ihren Stil, ihr Musikverständnis beeinflusst hat? „Natürlich. Man passt sich der Person, mit der man zusammenarbeitet, an. Es wird eine Partnerschaft. Er hat mich mit seiner Freude beeinflusst, mit seiner Erfahrung, seinem Wissen, und natürlich mit seinem großartigen Geschmack.“

Ihr Geschmack scheint den Sechzigerjahren zu entspringen. Dabei steckt kein System, kein Reiten auf einer Nostalgiewelle dahinter. „Ich glaube, ich bin von Natur aus etwas old-fashioned“, erzählt Duffy verschmitzt. „Sehen wir mal, wie es in zehn Jahren ist; aber ich glaube nicht, dass sich das ändern wird.“ Moden ändern sich, Trends kommen und gehen. Deshalb will sie sich selbst treu bleiben, sie selbst sein. Hilfreich für Ihre persönliche Entwicklung ist, dass sie als Sängerin selbst zum Vorbild geworden ist. Es hilft ihr, die richtigen Entscheidungen zu treffen, ein positives Beispiel sein zu wollen.

Angst vor dem Scheitern hat sie nie: „Ich kann mir das gar nicht erlauben. Sie stehen ja auch nicht morgens auf und haben Angst vor dem Tag. Ich toleriere Furcht nicht. In der Schule bekommt man immer zu hören, dass man nicht scheitern darf. Aber als Künstler müssen Sie scheitern! Das gehört zu Künstlersein dazu. Ich möchte, dass Kinder ermutigt werden, ohne Angst vor Scheitern, Hoffnungen und Träume zu haben.“

Bei ihr beginnen die Träume als Kind in Wales beim abwechslungsreichen Radioprogramm der BBC – von Depeche Mode bis Sam Cooke. Ohne einen Plattenspieler ist das Radio ihr Schlüssel zu einer neuen Welt: Wenn sie als Neunjährige Pavarotti und Nessun Dorma, Clair de Lune von Claude Debussy oder Edith Piaf mit La Vie en Rose lauscht, ist das für sie wie Reisen in die Welt der Musik. Musik ist Fantasie, Vorstellung und Sehnsucht. Als Flucht will sie diese Reisen allerdings nicht verstanden wissen: „Ich habe die Musik ja zu meinem Leben gemacht. Sie ist meine Realität, also weit entfernt von Flucht. Wenn es eine Flucht gewesen wäre, würde ich auch heute noch unter der Dusche singen, hoffen und träumen.“

Heute hat sie ihre Heimat in der Musik gefunden. Sie liebt, was sie tut. Leidenschaftlich. Es ist beinahe eine existenzielle Frage. Musik ist ein Ort, an den sie gehört. Für sie ist es eine ehrliche Welt, in der sie sich ausdrücken kann. „Musik verkörpert alles: Gefühle. Faszination. Glück. Trauer. Freude. Erinnerungen. Für mich ist Musik mein Leben.” Und eine Leidenschaft, die sie lange geheimhält. Aus Furcht, ausgelacht zu werden, singt sie nur für sich selbst, wenn sie alleine zuhause ist. „Es war etwas, das mir gehörte, und ich habe es tief im Herzen bewahrt. Ich wollte es nicht wirklich teilen. Und ich wollte nichts Negatives an die Musik heranlassen. Es war so positiv, einen Traum zu haben. Wie ein Schatz! Und ich bin sicher: Wenn irgendjemand einmal darüber gelacht hätte, hätte ich beschlossen, dass ich meine Musik nie wieder mit jemandem teilen werde.“

Wahrscheinlich spielt auch die Verletztheit eines sechsjährigen Kindes mit hinein, das aus dem Schulchor geworfen wird und sich zutiefst gedemütigt fühlt. Das einfach zu einer Gruppe gehören wollte, Teil von etwas sein, dazugehören, verstanden werden. Diese Erfahrung bestärkt sie weiter. Doch erst ein Schulwechsel nach der Scheidung der Eltern bringt ihr Talent zum Vorschein. Sie ist ein Naturtalent. Zwar nimmt Duffy Klavierstunden – hört damit aber wieder auf. „Ich hatte das Gefühl, dass es nicht das Richtige für mich war. Dass es das, worum es mir ging, in die Quere kommt.“ Auch die Gesangsstunden gibt sie nach einer Stunde auf, fühlt sich körperlich krank. „Bis heute“, sagt sie, „habe ich keine Ahnung, was ich da mache. Dur, Moll, Kreuze und Tonarten sagen mir nichts. Ich weiß nicht einmal, in welcher Tonart ich singe.“ Für sie gilt die Devise: Unwissenheit ist ein Segen. Wenn Unwissenheit immer so gut klingt wie bei Duffy, ist sie es bestimmt!

(Ann Kathrin Bronner, www.audiophil.de)


Quelle: audiophil.de

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